Verein zur Förderung der angewandten Gerontologie e.V. (VFG)

E-Motivate: Seniorenbildung im IT-Bereich

Nur ein relativ geringer Anteil der älteren Menschen besucht Fortbildungsveranstaltungen. Meist sind es die ohnehin schon gut ausgebildeten, bildungsgewohnten Senioren, die die entsprechenden Angebote wahrnehmen. Die bildungsungewohnten Älteren werden meist nicht erreicht. Daher befasst sich die Lernpartnerschaft im Rahmen des europäischen Grundtvig-Programms mit der Frage, wie bildungsungewohnte Senioren zum Lernen und zur eigenständigen Informationssuche besonders durch das Internet motiviert werden können.

Dieser Frage wollten die Teilnehmer der internationalen Grundtvig-Lernpartnerschaft gemeinsam nachgehen. Beteiligt waren Partner aus vier Ländern:

  • Prof. Dr. Fred Karl, Dipl. Hdl. Ingrid Friedrich, Dipl. Soz. Arb./Soz.päd. Susann Schuster, Universität Kassel, Deutschland (Koordination)
  • Dr. Argyro Voulgari, Dipl. Psych. Sophia Portinou, Hellenic Center for Mental Health and Research, Athen, Griechenland
  • Michaelis Papatherapontis, Leonidas Irekleus, Organization for the Promotion of European Issues (OPEI), Paphos, Zypern
  • Ger Tielen, Foundation International Longevity Centre Zorg voor Later (Care for Tomorrow), Bilthoven, Niederlande

Im Vordergrund stand dabei u.a. die Verbesserung der Lebensqualität und Selbstständigkeit insbesondere von in ländlichen Gegenden lebenden oder körperlich beeinträchtigten Senioren. Weil aber voraussichtlich die „bildungsgewohnten“ Senioren an derartigen Veranstaltungen teilnehmen, wurde zur Erreichung der schwer zugänglichen Personengruppen die Konzeption des „Train the Trainer“ angewendet. Um die „Bildungsungewohnten“ zu erreichen, sollten die Senioren, die an der Veranstaltung teilnehmen, dazu motiviert und angeleitet werden, ihr in der Veranstaltung erlerntes Wissen auch an andere Personen, z.B. Bildungsungewohnte, weiterzugeben. Die Zielgruppe waren also bildungsungewohnte Menschen, die unter Mithilfe ihrer Angehörigen erreicht werden sollen. Nicht die Lebenslage der an den Kursen teilnehmenden Senioren selbst sollte in den Vordergrund gerückt werden, sondern die Lebens- bzw. Problemlage ihrer „bildungsungewohnten“ Bekannten oder Verwandten.

Das vermittelte Wissen über die konkrete Suche von Informationen u. a. durch das Internet, kann als eine Hilfe zur Selbsthilfe für die bildungsfernen Senioren verstanden werden.

In ihren Institutionen organisierten die Partner jeweils die Ausbildung für die bildungsgewohnten Trainer. Da die beteiligten Länder gerade im Bereich der Altenbildung sehr unterschiedliche Strukturen und Voraussetzungen aufweisen und auch die beteiligten Institutionen sehr unterschiedlich sind, war es die Aufgabe der Lernpartnerschaft, in ihren Einrichtungen die Voraussetzungen für die Schulungen der Trainer zu schaffen, um dann gemeinsam das Konzept und ein Curriculum zu entwickeln.

In regelmäßigen Zusammenkünften der Partner in einem der beteiligen Länder fand der gegenseitige Austausch statt und die weiteren Schritte wurden diskutiert und geplant.

Durch eine qualitative Evaluation wurde der Erfolg der Veranstaltung überprüft.

Das Projekt wurde im August 2008 begonnen und lief bis zum 31.07.2010.


Die Teilnehmer des ersten Projekttreffens in Kassel:

Von links: Susann Schuster, Ger Tielen, Sophia Portinou, Agryro Voulgari, Ingrid Friedrich, Leonidas Irakleus

Von links: Susann Schuster, Ger Tielen, Agryro Voulgari, Fred Karl, Sophia Portinou, Leonidas Irakleus

Abschlussworkshop des internationalen Sokrates Grundtvig-Projektes „Motivierung bildungsungewohnter älterer Menschen zur eigenständigen Informationssuche (Motivating the Elderly)“, Universität Kassel in Kooperation mit dem DRK-Stadtteiltreff Mombach und dem Kulturverein EMEKDER e.V., 18. – 21.06.2010

Es ist bekannt, dass nur acht Prozent der Gesamtheit der alten Menschen im Alter Bildungsaktivitäten neu aufgenommen hat. Es sind die Bildungsgewohnten, die sich im Alter weit überdurchschnittlich an Bildungsveranstaltungen beteiligen.

Diese immer wieder zu beobachtende Tendenz führte die Mitarbeiter des Fachgebiets Soziale Gerontologie um Prof. Dr. Fred Karl am Fachbereich Sozialwesen der Universität Kassel zu der Frage, wie bildungsungewohnte Senioren zum Lernen und zur eigenständigen Informationssuche besonders durch das Internet motiviert werden können. Dieser Frage gingen die Kasseler Forscher im Rahmen eines internationalen Grundtvig-Projektes gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Griechenland, den Niederlanden und Zypern nach.

Durch eine nonformale Veranstaltung sollten die Senioren dazu angeregt werden, sich mit ihren Problemen und Fragestellungen aktiv auseinanderzusetzen und selbstständig nach Lösungen und Ergebnissen zu suchen (informelles Lernen). Im Vordergrund stand dabei u.a. die Verbesserung der Lebensqualität und Selbstständigkeit insbesondere von in ländlichen Gegenden lebenden oder körperlich beeinträchtigten Senioren. Weil aber im allgemeinen meist die „bildungsgewohnten“ Senioren an der Veranstaltung teilnehmen, fand zur Erreichung der schwer zugänglichen Personengruppen die Konzeption des „Train the Trainer“ Anwendung. Die Senioren, die an der Veranstaltung teilnehmen, sollten auch dazu motiviert werden, ihr in der Veranstaltung erlerntes Wissen an ihr soziales Umfeld weiterzugeben. Die Zielgruppe waren also bildungsungewohnte Menschen, die unter Mithilfe ihrer Angehörigen erreicht werden sollten.

Hierzu wurden in jeder der Partnereinrichtungen in den beteiligten Ländern Kurse eingerichtet, in denen die Teilnehmer (also die „Seniorentrainer“) zunächst einmal selbst lernten, wie sie mit dem PC arbeiten und Internetrecherchen durchführen können. In der Übungssequenz wurden Methoden vermittelt („forschendes Lernen“), Sicherheit im Umgang mit dem PC (Recherche im Internet) erlangt und Wissen zu dem gewählten Thema unter ständiger Hilfe eines Betreuers erarbeitet. Die Gruppenteilnehmer machten sich dann Gedanken über die Problemlagen ihrer Bekannten und Verwandten. Ferner sollten sie sich überlegen, ob und wie das gewählte Thema vorzugsweise mittels einer Internetrecherche zu bearbeiten ist und welche weiteren Informationsquellen und Materialien notwendig sind.

Die in der Veranstaltung erlernten Möglichkeiten zur Bearbeitung von selbstgewählten Problemen und spezifischen Fragestellungen sollten dazu anregen, auch nach der Veranstaltung weitere Fragen oder Problemlagen zu formulieren und diese selbstständig zu bearbeiten.

Das durch die Veranstaltung vermittelte Wissen über die konkrete Suche von Informationen u. a. durch das Internet soll als eine Hilfe zur Selbsthilfe für die bildungsfernen Senioren verstanden werden. Die Teilnehmer sollten ermutigt werden, nach dem „Train the Trainer-“ oder „Schneeballprinzip“ ihr erlerntes Wissen an ihr soziales Umfeld weiter zu vermitteln. Durch diese Vorgehensweise wird das Verantwortungsgefühl erhöht; ein Gefühl des „gebraucht werdens“ kann entwickelt werden (aktive Bürgerschaft).

Die Arbeit im Projekt begann im Herbst 2008. Die internationalen Partner kamen zu einem ersten Treffen in Kassel zusammen, um zunächst einmal ein Konzept für die Arbeit zu entwickeln. Weitere Treffen der Partner folgten in den jeweiligen Ländern, in denen u.a. ein Curriculum für die Kurse entwickelt und praktische Erfahrungen aus den jeweiligen Kursen für die „Seniorentrainer“ ausgetauscht wurden.

In Kassel fand der Kurs in Kooperation mit dem DRK Stadtteiltreff Mombach und dem türkischen Kulturverein EMEKDER e.V. statt. 10 ältere türkische Migranten waren hier die Teilnehmer. Dies war für den Kursleiter Gustav Mewes eine besondere Herausforderung, da die Teilnehmer teilweise Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und insbesondere auch den im PC-Bereich verwendeten Fachausdrücken hatten. Jedoch waren die Teilnehmer sehr motiviert und stolz, dass sie, nachdem sie eine Zeitlang den Kurs besucht hatten, in ihrer Umgebung mittlerweile als „Computerexperten“ angesehen wurden.

In den anderen beteiligten Ländern hatten die Kurse eine ganz andere Zusammensetzung. So fand auf Zypern z.B. eine Art “Nachbarschaftstreff” mehrerer befreundeter älterer Frauen statt, die von einer Kursleiterin betreut wurden, und in Athen waren es Senioren im Alter von 65 bis 82 Jahren, die regelmäßig an Veranstaltungen der öffentlichen Sozialzentren teilnahmen und ihre neu erworbenen Kenntnisse an andere Senioren weitergaben.

Schon bald zeichnete sich ab, dass dieser Ansatz einer der geeignetsten Wege ist, ältere Menschen zu erreichen, die sonst nicht an Veranstaltungen zur Weiterbildung teilnehmen. Durch ihren persönlichen Kontakt mit den „Seniortrainern“ erhalten sie Hilfestellung bei Problemen, Antworten auf ihre Fragen (und wenn es auch vielleicht nur darum geht, z.B. Öffnungszeiten von Apotheken oder Ämtern herauszufinden) und werden möglicherweise sogar motiviert, selbst Computerkenntnisse zu erwerben. Auch hierbei können ihnen die Kursteilnehmer helfen.

So profitierten beide Seiten von diesem Konzept: Die Zielgruppe erhält Hilfe und Unterstützung und die Seniortrainer sind stolz, gebraucht zu werden und ihr neu erworbenes Expertenwissen weitergeben zu können. Die Kasseler Teilnehmer profitierten ausserdem noch von der Teilnahme am Projekt, indem sie ihre deutschen Sprachkenntnisse in Wort und Schrift verbessern konnten.

 

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